"Das Fachblatt Musik" fuehrte dieses Interview mit Hannes und Christof kurz vor dem Release von "The hearing and the sense of balance" ...

Ihr wart vor der Produktion in Amerika unterwegs, wo habt ihr euch denn herumgetrieben ?

(Hannes) An der Ostküste, im Mittleren Westen und an den Großen Seen.

Wie lange wart ihr dort ?

(Christof) insgesamt fast drei Monate, allerdings nicht am Stück. Wir waren zuerst drei Wochen mit Meat Loaf unterwegs, dann sind wir da von der Tour runtergeflogen...

Autsch! Was habt ihr falschgemacht ?

(Hannes) Wir sehen nicht gut genug aus. Wir haben zu gut gespielt. Nein, nein, die Ticketverkäufe waren nicht gut genug, also haben sie Cheap Trick ins Programm genommen. So etwas geht sehr schnell !
(Christof) Aber dann hat die Plattenfirma innerhalb weniger Tage noch 'ne Clubtour zusmmengestellt, die sehr chaotisch war, weil wir manchmal nicht wußten, wo wir am nächsten Tag sein würden. Und dann waren wir im Oktober noch mal drüben und haben noch mal in Clubs gespielt. Die war dann auch besser organisiert.

Wie waren die Erfahrungen mit dem amerikanischen Publikum ?

(Christof) In Ordnung !
(Hannes) Im Endeffekt reagieren die da genauso wie hier. Natürlich mußten wir dort ein Konzert ein bißchen länger aufbauen, weil sie, wenn überhaupt, nur EVERY GENERATION kannten; das war das einzige Stück, das dort im Radio lief. Aber wenn wir dann gut gespielt haben, alles gegeben haben, ha ha, dann kam's auch rüber.
(Christof) Hier weiß jeder, wer Fury ist, aber drüben war's wie früher: Das Publikum steht und guckt erst mal, was das für eine Band ist. Aber, war gut!

Wie waren die Konzerte besucht ?

(Hannes) Von drei bis fünfhundert Leuten. Bei einem Open-Air am South Street Seaport mit Collective Soul waren ungefähr 5000 da. Die Anlage war zum Göbeln, viel zu klein, und die fiel dann auch noch dauernd aus, aber in der Zeit danach haben uns immer wieder Leute auf dieses Konzert angesprochen.
(Christof) Und dann in Brooklyn, wie hieß der Laden noch mal ...? Na egal, jedenfalls war das der einzige Ort in Amerika, wo man auf der Straße Bier trinken konnte, weil da keine Polizei vorbeikam. Asbury Park war auch heftig. Da sieht's aus wie in Brighton, nur daß dort seit fünfzehn Jahren kein Tourist mehr war. Neben dem Club, wo wir gespielt haben, war so'n Crackhotel, wo die ganze Nacht die Party abging.


(...)

Habt ihr auch schon neue Stücke live ausprobiert ?

(Christof) Ja, haben wir, und der Rest war größtenteils vorbereitet.
(Hannes) Da mußten die Amis dann herhalten (lacht).
(Christof) Sonst war's eigentlich der übliche Fury-Scheiß.


(...)

Da stellt sich ja dann die Frage, wie neue Stücke vorbereitet werden? Wer schreibt vorwiegend ? Auf den Platten steht immer Fury, richtig ?

(Christof) Ja, wir schreiben immer zusammen.
(Hannes) Die Grundideen kommen von Christof, von Torsten oder Gero.
(Christof) Wir haben im Früjahr schon mal zwei Monate an neuen Stücken ge- bastelt, es dauert bei uns halt lange, bis dann alle zufrieden sind.

Ihr arbeitet also schon zu zweit oder zu dritt ?

(Hannes) Nee, schon immer die komplette Band, deshalb dauert es dann eben länger, weil du alle Ideen ausprobieren mußt. Bei einer Sache testest du dann vielleicht sechs Ideen, und zum Schluß stellt sich dann raus, daß alle Mist sind, und du machst was ganz anderees.

Und wie sieht das zu Hause aus, wie schreibt ihr da ?

(Christof) Ich schreibe zum Beispiel nie alleine, immer mehr in einer Art Session, mit Kai zusammen. Thosten schreibt zu Hause, andere Songs entstehen beim Jammen. Ist also gemischt. Aber die Hauptarbeit machen wir dann schon mit der Band. Ziemlich nervig manchmal.

Auf der anderen Seite hast du aber dann wohl doch Ergebnisse, wo alle hinter- stehen ?

(Hannes) Das ist, eh, richtig !
(Christof) Ich denke, der Sound wird dadurch eigener, weil immer alle zu- frieden sein müssen. Wenn einer alleine arbeitet, hast du vielleicht schnell mal 'ne Kopie von einem anderen Stück. So kriegste dann eher die Mischung, die vielleicht was Spezielles hat, einfach weil so viele Bedürf- nisse befriedigt werden.
(Hannes) Ich finde ja eigentlichdoch, daß wir 'ne recht vielseitige Band sind. Angefangen bei recht harten, schnellen Sachen und Balladen sind wir jetzt mittlerweile bei Groovesachen gelandet.

Das ist mir ein wenig schon bei der letzten Platte aufgefallen, die erschien mir insgesamt leichter und entspannter, fast fröhlich.

(Gelächter)
(Christof) Wir sind nie fröhlich !
(Hannes, nachdenklich) Jaaa.

Und wie sieht's aus mit den Texten ?

(Christof) Die sind alle von Kai, er muß sie ja auch singen. In Amerika zum Beispiel waren die Texte immer wichtig. EVERY GENERATION war ja in Deutschland 'n totaler Flop. Ist wenig gelaufen, immer mit der Begründung, es sei zu depressiv. Und in Amerika ist EVERY GENERATION an der Ostküste viel gelaufen, gerade aufgrund des Textes. Das ist wirklich ein Unterschied zu Deutschland, die Reaktion auf die Texte ist drüben viel direkter.
(Hannes) Ich glaube, bei den Texten ist das so ... ich meine, wir sind Europäer, Deutsche. Die Art wie wir, oder Kai, die Dinge sehen,ist für die Amis eher untypisch. Die sind entweder aggressiv ider nachen nur lala, hab ichzumindest den Eindruck. EVERY GENERATION hat da eher so eine etwas nach- denkliche Stimmung, die die Ammis gefressen haben.
(Christof) Nachdenlich ist in dem Land wirklich wenig !


(...)

Was sind denn die das für Einflüsse, mit welcher Musik seid ihr aufgewachsen. Was hört ihr ?

(Christof) Bei mir sind das die Stones, Rock 'n' Roll und das ganze Zeug.

Also schon viel R 'n' B ?

(Hannes) Bei mir geht das eher kreuz und quer. Ich hab mal angefangen mit Elvis, so mit vierzehn ...
(Christof) Hör mal, so alt biste doch noch gar nicht !
(Hannes) Ich fand den toll, ich weiß nicht wieso. Das ging dann aber ziemlich schnell vorbei, danach fand ich Kiss ziemlich toll. Nina Hagen, von ihr bin ich nach wie vor großer Fan. Jazz auch, Miles Davis, die neueren Sachen, und jetzt taste ich mich so langsam zurück.

Hast du solche Musik auch mal gespielt ?

(Hannes) Nee, das ist 'ne Nummer zu hart für mich. Ein paar Licks von Marcus Miller habe ich mir mal rausgehört, aber sonst nicht. Ich stehe auch auf R 'n' B.


(...)

Waren deutsche Texte für für euch mal Thema ?

(Beide) Nee, ernsthaft nicht.
(Hannes) Das machen wir nur manchmal, wenn wir hier in Hannover unsere Spaßkapelle machen, "Drüsengemenge" oder wie wir uns dann nennen. Kai hat da eine herrlich sarkastische Ader.
(Christof) Und als Fury können wir in Hannover ja auch nicht mehr in kleinen Clubs spielen. Mittlerweile wissen wahrscheinlich alle Leute, das können nur wir sein, wenn sie wieder so einen blöden Namen lesen.

Wie seht ihr euren Standort in der deutschen Szene ?

(Christof) Sind wir nun Newcomer oder schon Dinosaurier ? Da machen wir uns eigentlich keine Gedanken drüber, wir machen unser Zeug und gut.


(...)

Was macht ihr außerhalb der Musik ?

(Einstimmig) Nichts !

Interessen ?

(Beide) Keine !
(Christof) Mittlerweile ist es so, wenn ich zu Hause bin, leg ich am liebsten die Füße hoch, trink 'n paar Bier mit Freunden.

Was hat sich überhaupt geändert in den letzten Jahren ? Wie sind die Auswirkungen aufs Privatleben ?

(Christof) Mehr Geld ! Und das Privatleben wird nicht mehr unbedingt ein- facher dadurch, daß man bekannter wird. Aber es hält sich noch in Grenzen, wir sind noch keine Popstars und bewegen uns hier in Hannover noch ganz normal. Aber wenn sich die finanzielle Situation ändert, ist das schon ein Unterschied zu früher.
(Hannes) Im letzten Jahr waren wir insgesamt ein halbes Jahr weg, und das ist schon eine Belastung.
(Christof) Besonders für die Leber. Oh Gott, oh Gott.

Hat sich das Verhältnis zu den Musikern in Hannover geändert, gibt es Neider ?

(Christof) Sicher wird es die geben, aber das sagt dir ja eh keiner ins Ge- sicht. Aber sonst ist alles in Ordnung. Wir proben auch immer noch in der Glocksee un haben ein normales Verhältnis zu den Leuten, die dort auch proben. Ich möchte da auch nicht weg.
(Hannes) Man kennt sich ja auch schon jahrelang, und das hilft, auf dem Teppich zu bleiben.

Wie sieht's aus, zur neuen CD ist doch sicher eine Tour geplant ?

(Christof) ... dann wahrscheinlich wieder Amerika. Die Platte kommt dort etwas später auf den Markt; gehn wir wieder schlechtes Bier trinken. Amerika gehört bestimmt nicht zu den besten Biergegenden der Welt. Bier gehört zu den Grundnahrungsmitteln und sollte nicht reisen. Chinesen und Thailänder machen großartiges Bier .....